Juli 2007. 30 Athleten aus 22 Nationen sind angesetzt auf eine knallharte Alpendurchquerung von Ost nach West. Erlaubt sind nur ein Gleitschirm und die eigenen Füße. Die Route für die dritte Ausgabe dieses unglaublichen Rennens führte 850 km vom Dachstein Massiv (südlich von Salzburg) nach Monaco über die Marmolada (Dolomiten), die Eiger Nordwand (Berner Oberland) und den Mont Blanc (Französische Alpen). Hunderttausende begeisterte Fans werden das von RED BULL, NOKIA, PEAK und GIN GLIDERS gesponserte Ereignis live im Internet verfolgen. Jeder Teilnehmer trägt ein GPS das über Bluetooth mit einem Mobiltelefon verbunden ist. Das GPS zeichnet alle 2 Minuten die Position auf und das gekoppelte Telefon sendet diese über SMS auf den Server des Veranstalters. So erscheint die Position eines jeden Athleten auf www.redbullxalps.com und der interessierte Zuschauer erfährt ob dieser fliegt, geht oder schläft!
Vor Beginn des Rennens wurde alles akribisch von Zoom Productions geplant. Drei Tage vor dem Startschuss trafen sich die Athleten in Obertraun, einem Dorf in der Nähe des Dachsteinmassives für technische Einweisungen, Ausrüstungstests und Interviews. Während des ersten Briefings begrüßt der Renndirektor Steve Cox alle Teilnehmer. „Hallo und danke dafür das Ihr gekommen seid. Während der nächsten 15 Tage werdet Ihr ein außergewöhnliches Abenteuer and den Grenzen eurer physischen und psychischen Belastbarkeit erleben. Die X-Alps sind ein Rennen gegen euch selbst, und die Naturgewalten sind euer Schiedsrichter! Zwischen den Wendepunkten könnt ihr eure Route wählen wie ihr wollt. Einmal über der Startlinie wird jeder Kilometer entweder gehend oder fliegend zurückgelegt. Offen gesagt - die meisten von euch werden Monaco nicht erreichen. Die X-Alps sind hart und sie werden noch härter werden.“

Release the beasts.
Nach den Briefings wird das Rennen gestartet. Dank einer kurzen Schönwetterphase konnten die Teilnehmer am 23. Juli um 7.00 Uhr am Krippenstein, 700m unterhalb des Dachsteingipfels, von der Leine gelassen werden. Freunde, Widersacher und Presse gleichermaßen versammelten sich unter blauem Himmel um den 30 X-Alps Athleten am Startplatz auf 3000m zuzujubeln. Unglücklicherweise frischt der Südwind auf als die Teilnehmer sich dem Gipfel nähern. So werden die X-Alps dieses Mal zu Fuß über die Via Ferrata südlich vom Honerkogel gestartet. Nun sind sie unterwegs – 2 Wochen gehen, fliegen, Entscheidungen treffen, zweifeln, leiden und sich besprechen. Wie viele werden Monaco erreichen? Und in welchem Zustand??
Obwohl die Strecke lang ist, legen die ersten Teilnehmer ein atemberaubendes Tempo vor. Sie wissen, das über Nacht schlechtes Wetter aufzieht und die Überquerung des 2500m hohen Großglocknermassivs erheblich erschweren wird. Am ersten Tag, erst 30km konnten geflogen werden, sind die Athleten gezwungen den Asphalt kennenzulernen. Noch kreuzen sich die Wege der Teilnehmer, zum Teil sogar mehrmals. Manche gehen lange zusammen bis sich ihre Wege wegen unterschiedlicher Entscheidungen wieder trennen. Heute sind vier parallele Täler als Option möglich. Manche gehen bis spät in die Nacht um dem schlechten Wetter zu entkommen und am nächsten Tag endlich fliegen zu können. Andere setzen auf einen Wanderrhythmus, bei Sonnenuntergang ein Biwak aufschlagen und zu früher Stunde nach ausreichender Pause wieder losgehen.
Support
Nach kurzer Zeit spielt sich das Leben eines X-Alps Teilnehmers rund um ein Fahrzeug ab, normalerweise einem Minibus das von ihrem Supporter gefahren wird. An Bord gibt es einen Schlafbereich, viel zu essen, Funktionskleidung für jedes Wetter und dutzende von Karten verschiedener Maßstäbe. Und natürlich ein Computer und die neuesten Mobiltelefone die ALLES können, außer vielleicht toasten und Kaffe kochen. Der Job des Supporters ist nicht nur in der Gegend herumzufahren, er versorgt seinen Athleten ständig mit wichtigen Informationen über das Wetter und möglichen Alternativrouten. Wie bei jedem Wettkampf ist es gut zu wissen was dein Gegner macht, manchmal hilft das zu entscheiden ob man seine Position hält, oder doch lieber weitergeht. Die Supporter sind die Verbindung zwischen den Athleten und den Organisatoren, außerdem beantworten sie Fragen der Medien. Man findet sie am Seitenstreifen oder an Tankstellen, sie geben erste Hilfe bei wund gelaufenen Füßen und massieren verkrampfte Waden – und alles im Fokus einer Videokamera. Das sieht alles ein bisschen nach Reality-Soap aus, aber nur so gewinnt der Zuschauer Einblick ins Geschehen.
Das A und O bei den X-Alps ist es zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, mal das Tempo anzuziehen oder auf einen günstigen Moment zu warten. Der Supporter greift ein, wenn die Konzentration des Athleten nachlässt. Die X-Alps sind kein Zeltlager, sondern ein Rennen – du musst vorankommen, vor und nach dem Fliegen. Geschwindigkeit ist Alles, aber man muss deswegen nicht bis Monaco laufen…
Jeder Fehler bedeutet stundenlanges Laufen.
Am zweiten Tag gelang es den französischen Teilnehmern, Julien Wirtz und Vincent Sprungli, nicht über einen Pass fliegen. Sie geraten in einen Sturm und müssen aussenlanden, daraufhin müssen sie 10 Stunden gehen um eine Berghütte zu erreichen, in der es wieder trockene Kleidung für sie gibt. Sie trocknen ihre Gleitschirme und Fluginstrumente. Stramme Böen vereiteln den Plan am nächsten Tag wieder zu fliegen, und so bleibt ihnen nichts Anderes übrig als am nächsten Tag wieder zu Fuß zurück ins Tal zu gehen. Es ist ein 10km langer Weg, aber die nächste Startmöglichkeit ist erst 25km weit entfernt. Sprungli und Wirtz glauben das sie es bis zum nächsten Mittag schaffen können. Am Karschbergpass wartet Julien Wirtz darauf, das die Pechsträhne endlich abreißt und der Wind nachlässt, damit er nach Lienz fliegen kann. Zur gleichen Zeit umfliegen die beiden Führenden, Martin Müller und Alex Hofer, bereits den ersten Wendepunkt an der Marmolada. Vincent Sprungli, schon auf dem Zahnfleisch, gibt aber noch einmal alles, und nachdem er dann am Karschberg zu früh gestartet ist, steht er um 14 Uhr am Eingang eines Dorfes am Boden, seinen Schirm über einen Laternenpfahl gewickelt. Er bezahlt aufs neue den Preis der Ungeduld – 3 Stunden gehen für einen 30km Flug. 10km zu Fuß später zeigen sich die ersten Anzeichen einer Sehnenentzündung im Bein. Weitere 15 Stunden biwakieren sie in der Nähe des Dorfes Radlberg unterhalb von perfekt nach Osten ausgerichteten Pisten – ideal für einen frühen Start. Morgen ist auch noch ein Tag – 4 Uhr 45 klingelt der Wecker!
Die X-Alps Ausrüstung
Ein Schirm mit weniger als 17qm, Gurtzeug, Reserve, Helm und Aufzeichnungsinstrumente vom Veranstalter sind das Minimum an Ausrüstung für das Rennen. Die meisten Teilnehmer haben Hochleister aus ultraleichten Materialien und ein ultraleichtes Gurtzeug. Der russische Teilnehmer kommt zum Ausrüstungscheck mit einem Gurtzeug das mehr als die durchschnittliche Gesamtausrüstung wiegt! Der ultraleichte Boomerang 5 von GIN mit dem Sup’Air Xalps Gurtzeug, Reserve, einem Helm von petzl und den Aufzeichnungsgeräten vom Veranstalter wiegt gerade mal 9.5kg.

Fliegen lässt alle Beschwerden vergessen
5.30, steife Beine und schmerzende Schultern. 1000m Aufstieg ist normal für den Anfang eines X-Alps Tages. Schnell ein Tee zum Aufwachen, neue Batterien für’s GPS – gegessen wird dann etwas später, wenn alles funktioniert. Es ist ein perfekter Tag – du kannst es an der Luft spüren und am Horizont sehen. Gereizte Sehnen und ein schmerzender Körper sind schnell vergessen. Um 8.45 Uhr kommen die ersten Kumuli an den Ostflanken. Wenn der Wind gut zum Starten ist, sind wir um 9.30 in der Luft. Was für ein Tag. Vincent Sprungli fliegt 208 km in 10 Stunden! Nach ein paar Ausfällen des Funkgerätes erspähe ich ihn am Himmel über den Dolomiten auf dem Weg zur Marmolada. Das Biwak an diesem Abend ist mit Abstand das Beste. Wir essen Marokkanische Suppe und Ravioli aus der Dose zwischen Civetta und dem Marmolada Gletscher.
Materialversagen
Kumulusbewölkung erschwert das Weiterkommen bis ins Engadin, und die X-Alpers gehen landen, einer nach dem anderen. Die meisten kommen im Tal runter, was einen 30km Fußmarsch im Urlaubsverkehr zur Folge hat. Sehnenentzündungen, Ödeme – wenn es unmöglich erscheint auch nur einen Schritt weiterzugehen, wird Gepäck stehen gelassen.
GIN Piloten im Rennen.
Martin Müller, Vincent Sprüngli und Kaoru Ogisawa bestreiten die X-Alps alle mit ultraleichten Boomerang 5. Dank einem großartigen Flug vom Dachstein war Martin die ganze Strecke in Führung. Am 10. Tag des Rennens wirft er beinahe alles hin als er eine 36 Stunden Strafe für das zu frühe Einfliegen in einen beschränkten Luftraum in der Nähe von Sion (Schweiz). Doch er entscheidet sich weiterzumachen und rennt weiter Richtung Mittelmeer. Am Mont Gros bei Monaco liegt er in Führung, 13 Tage nachdem er am Dachstein gestartet war. Nun muß er 36 Stunden warten bevor er nach Monaco fliegen darf und verpasst so den sicheren Sieg.
Vincent Sprungli muß nach spektakulären Flügen wegen akuter Sehnenentzündung in beiden Beinen am 7. Tag aufgeben. Zu dieser Zeit liegt er auf Rang 4. Nichtsdestotrotz gelingt ihm der längste Flug des Wettkampfes – 208km von Lienz bis zur Marmolada.
Der dritte im Bunde, unser Testpilot Ogi aus Japan, kommt als fünfter nach Monaco ins Ziel. Dank einem hervorragenden 200km Flug am letzten Wettbewerbstag bleibt er innerhalb des Limits, mit einem unbändigen Willen aber völlig ausgelaugtem Körper.
Photos: Olivier Laugero / Red Bull Photofiles - Vitek Ludvik / Red Bull Photofiles - Ulrich Grill / Red Bull Photofiles - Jerome Maupoint / Gin Gliders
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